Retrograde Leitung ohne SVT, VAI, AOP mit VA-Linking, A–H–A versus A–H–H–A und His-refraktäre APB.
17 Min. Lesezeit
Lernziele
Ich kann Para-Hisian Pacing durchführen und eine nodale von einer extranodalen Antwort unterscheiden.
Ich kann den ventrikuloatrialen Index aus RV-Apex und RV-Posterobasis bilden und einordnen.
Ich kann VA-Linking nach atrialem Overdrive-Pacing prüfen, auch differenziell aus zwei Vorhoforten.
Ich kann A–H–A von A–H–H–A abgrenzen und die Wirkung His-refraktärer atrialer Extrastimuli auf das aktuelle oder nächste His beschreiben.
Die bisher behandelten Manöver setzen eine laufende Tachykardie voraus. Dieses Kapitel
sammelt die Manöver, die ohne SVT auskommen (Para-Hisian Pacing, Apex-versus-Basis)
und die vom Vorhof aus arbeiten (AOP, atriale Extrastimuli).
Para-Hisian Pacing
Am selben Ort wird zweimal stimuliert: einmal mit His- und Ventrikel-Capture (schmaler
QRS), dann nach Outputsenkung nur noch mit Ventrikel-Capture (breiter QRS). Verglichen
werden SA, SH, HA und die gesamte atriale Sequenz.
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Links nodal: SA steigt von 121 auf 182 ms; ΔSA 61 ms entspricht ΔSH, HA bleibt gleich. Mitte extranodal: SA bleibt 140 ms, obwohl H später kommt — das A hängt am ventrikulären Zugang. Rechts gemischt: Das CS-A bleibt bei SA 140 ms, das His-nahe A kommt später; die atriale Sequenz wechselt.Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:757–769, Teil 2, S. 760–762, Abb. 3.
Antwort
Muster
nodal
ΔSA ≈ ΔSH, HA und A-Sequenz unverändert
extranodal
SA und A-Sequenz gleich trotz späterem H
gemischt
die atriale Sequenz ändert sich
Fallstricke: QRS-Verbreiterung allein beweist den His-Verlust nicht — es kann auch
reine His-Capture oder direkte A-Capture vorliegen. Eine langsame oder entfernte Bahn
kann maskiert sein. Und wie überall gilt: Ein Bahnnachweis beweist keine
SVT-Beteiligung.
RV-Apex versus Posterobasis
Dasselbe Prinzip, anderer Hebel: Statt den His-Capture zu verändern, wird der
Stimulationsort gewechselt. Liegt die retrograd leitende Struktur basal, verkürzt
sich der Weg von basal aus.
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Links: SA 142 ms apikal gegen 120 ms basal — VAI +22 ms, posteroseptales AP-Muster. Rechts: SA 150 ms apikal gegen 185 ms basal — VAI −35 ms, nodales Muster; hier ist der His-Zugang vom Apex kürzer.Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:757–769, Teil 2, S. 762, Abb. 4 · Martinez-Alday et al. Circulation 1994;89:1060–1067.
VAI = SA_Apex − SA_Posterobasis
> 10 ms favorisiert eine posteroseptale akzessorische Bahn; negative Werte
sprechen für nodale Leitung. Werte um 0–10 ms sind vorsichtig zu beurteilen.
Die zugrunde liegende Studie war klein und posteroseptal fokussiert — es gibt keine
universelle AP-Grenze. Und: Nicht mit dem
differenziellen Entrainment
verwechseln, das eine laufende SVT voraussetzt.
AOP und differenzielles VA-Linking
Beim atrialen Overdrive-Pacing wird mit 10–40 ms kürzerer Zykluslänge stimuliert und
dann beobachtet, ob das Return-A zeitlich am Ventrikel hängt (Linking) oder einen
eigenen Ursprung hat.
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Links: VA_post jeweils 10 ms, entsprechend dem nativen VA — keine Streuung zwischen den Stimulationsorten, also Linking. Rechts: Nach HRA-AOP 160 ms, nach CS-AOP 60 ms — Streuung 100 ms, fehlendes Linking.Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:757–769, Teil 2, S. 763–764, Abb. 5 · Maruyama et al. J Cardiovasc Electrophysiol 2007;18:1127–1133.
Variante
Messgröße
Orientierung
Einzel-AOP
VA_post gegen natives VA
innerhalb 10 ms unterstützt Linking
Differenziell (HRA + CS)
max(VA_post) − min(VA_post)
< 14 ms favorisiert AVNRT/AVRT, > 14 ms AT
VA_post misst vom letzten getriebenen RV-EGM zum frühesten Return-A. Die Referenzen
müssen zwischen den Versuchen konstant bleiben.
Fallstricke: Ein einzelnes Linking kann bei einer AT zufällig sein, und frühe
VA-Schwankungen sind auch bei AVNRT möglich. Bei AH > PCL gehört das erste H/V nach dem
Stopp gegebenenfalls noch zum vorherigen A.
A–H–A oder A–H–H–A?
Nach atrialem Overdrive einer A-auf-V-Tachykardie entscheidet die Reihenfolge nach dem
letzten tatsächlich getriebenen His, ob der Reentry fortsetzt oder ein junktionaler
Fokus neu startet.
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Links: A_last 0 → H_d 315 → A_return 385 ms — A–H–A, typisches AVNRT-Muster. Mitte: A_last 0 → H_d 100 → H_JT 480 → A_return 550 ms — A–H–H–A, typisches JT-Muster. Rechts: PCL 340, AH 350 ms — das H bei 10 ms gehört zum A bei −340 ms; korrekt zugeordnet A–H–A, nur scheinbar AHHA.Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:757–769, Teil 2, S. 763–764, Abb. 5 und Ref. 21 · AHHA-Ausnahme bei AVNRT: PMID 37101667 (2023).
A–H–A favorisiert eine typische AVNRT: Der letzte Impuls über die langsame Bahn
kehrt über die schnelle zum Vorhof zurück.
A–H–H–A favorisiert eine junktionale Tachykardie: Nach dem letzten getriebenen H
startet der Fokus neu.
Pseudo-AHHA entsteht, wenn AH länger als die PCL ist — dann gehört das H nach
dem letzten Stimulus noch zum vorletzten A.
Nicht nur die Signale nach dem letzten Stimulus zählen; ihre Herkunft entscheidet.
Eine JT mit dualer AV-Knoten-Physiologie kann AHA vortäuschen, eine AVNRT mit
FP/SP-Doppelantwort und Wiederbeginn echtes AHHA zeigen.
Atriale Extrastimuli: aktuelles oder nächstes His?
Der letzte Hebel ist ein einzelner atrialer Extrastimulus (APB) — und die Frage, welchen
His-Schlag er verändert.
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Links: A* trifft bei H0 ein, H0 bleibt unverändert, H1 folgt nach 428 statt 412 ms — +16 ms Verzögerung. Mitte: Früher APB, das unmittelbare H folgt nach 522 statt 560 ms, also 38 ms früher, und die SVT läuft weiter. Rechts: Trotz HR-APB bleibt H–H bei 412 ms.Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:757–769, Teil 2, S. 764–766, Abb. 6–7 · Padanilam et al. JACC 2008;52:1711–1717.
Befund
Einordnung
HR-APB verzögert H1 (nächstes His)
starke Evidenz für AVNRT
früher APB zieht das unmittelbare H vor, SVT läuft weiter
JT-Muster
HR-APB ohne H-Reset
mit JT vereinbar; eine nicht erreichte AVNRT bleibt möglich — kein alleiniger JT-Beweis
Das nächste His bei einem His-refraktären APB ist nicht dasselbe wie das
unmittelbare His bei einem frühen APB. Eine duale FP/SP-Physiologie kann Vorziehen
und Fortsetzung imitieren; die H1-Verzögerung ist das spezifischere Zeichen. Für die
Platzierung zählt die lokale septale A-Ankunft — der Stimulus kann wegen der Laufzeit
deutlich davor liegen.
Mini-Quiz
1 / 4
Bei Para-Hisian Pacing steigt SA nach Verlust des His-Capture von 140 auf 140 ms — also unverändert —, obwohl das H deutlich später kommt. Wie ist das einzuordnen?
Take-aways
Para-Hisian Pacing vergleicht denselben Ort mit und ohne His-Capture. Nodal - ΔSA entspricht ΔSH bei gleichem HA. Extranodal - SA und A-Sequenz bleiben gleich, obwohl H später kommt.
VAI = SA_Apex − SA_Posterobasis. Über 10 ms favorisiert eine posteroseptale Bahn, negative Werte nodale Leitung; Werte um 0–10 ms sind unsicher.
VA-Linking - das Return-A hängt am Ventrikel, nicht am atrialen Ursprung. Differenziell aus HRA und CS - Streuung unter 14 ms favorisiert AVNRT/AVRT, über 14 ms AT.
A–H–A favorisiert typische AVNRT, A–H–H–A junktionale Tachykardie. Bei AH über PCL kann ein H nach dem letzten Stimulus noch vom vorletzten A stammen.
Verzögert ein His-refraktärer APB das nächste H, ist das starke Evidenz für AVNRT. Zieht ein früher APB das unmittelbare H vor und die SVT läuft weiter, passt das zur JT.
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