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Coumel-Zeichen & Präexzitationsindex

Zwei klassische Zusatzkriterien — was sie leisten, und warum eine unveränderte TCL eine AVRT nicht ausschließt.

9 Min. Lesezeit

Lernziele

  • Ich kann das Coumel-Zeichen beschreiben und sagen, welche Bahnlage es stützt.
  • Ich kann erklären, warum eine unveränderte Tachykardie-Zykluslänge trotz Schenkelblock eine AVRT nicht ausschließt.
  • Ich kann den Präexzitationsindex korrekt bestimmen und von PPI−TCL abgrenzen.
  • Ich kann benennen, warum beide Kriterien als ergänzend und nicht als entscheidend gelten.

Zwei klassische Zusatzkriterien aus der Frühzeit der klinischen Elektrophysiologie. Sie ersetzen kein Entrainment-Manöver, liefern aber in den richtigen Situationen ein zusätzliches Argument — und beide haben eine Grenze, die man kennen muss.

Das Coumel-Zeichen

Bei orthodromer AVRT über eine freie Wandbahn muss die Erregung erst durch den Ventrikel zur Bahn laufen. Blockiert der Schenkel auf derselben Seite, wird dieser Weg länger: VA steigt — und mit ihm die Tachykardie-Zykluslänge.

Coumel-Zeichen: ipsilateraler Schenkelblock Verlängert der Schenkelblock den Weg zur retrograd leitenden Bahn? EP-LABOR / 26 / ERGÄNZENDE KLASSISCHE KRITERIEN Coumel-Zeichen: ipsilateraler Schenkelblock Verlängert der Schenkelblock den Weg zur retrograd leitenden Bahn? nativ stimuliert / getrieben kritisch / zugeordnet erwartet, ausgefallen / Block Signalbeginn · alle Zeiten in ms Linksfreie Bahn: schmaler QRS A A CSd A CSd A CSd His H H QRS schmal schmal schmal V lokal V RV V RV V RV ms 0 500 1000 VA = 100 ms TCL = 400 ms AH = 250 ms Schematische AVRT über eine linksfreie Bahn: VA 100 + AH 250 + HV 50 = TCL 400 ms. A ist das frühe Signal im distalen CS. Ipsilateraler LSB: VA und TCL länger A A CSd A CSd His H H QRS LSB LSB LSB V lokal V RV V RV ms 0 500 1000 VA = 160 ms TCL = 460 ms AH = 250 ms Der ipsilaterale LSB verlängert VA von 100 auf 160 ms. Bei gleichem AH und HV steigt die TCL von 400 auf 460 ms. VA länger, durch AH kompensiert A A CSd A CSd His H H QRS LSB LSB LSB V lokal V RV V RV ms 0 500 1000 VA = 160 ms TCL = 400 ms AH = 190 ms VA +60 ms, aber AH −60 ms: Trotz LSB bleibt die TCL 400 ms. Illustratives Beispiel einer vollständigen AH-Kompensation. DURCHFÜHRUNG • Schmalen QRS und funktionellen Schenkelblock während derselben SVT vergleichen. • Gleiche atriale Sequenz sichern; VA, AH, HV und TCL gemeinsam verfolgen. MESSUNG • VA: frühester QRS-Beginn → dasselbe frühe atriale Signal. • VA- und TCL-Änderung vergleichen; gegenläufige AH-Änderungen berücksichtigen. BEDEUTUNG • VA-/TCL-Verlängerung bei ipsilateralem Block unterstützt orthodrome AVRT über eine freie Wandbahn. • Eine AH-Verkürzung kann die VA-Verlängerung ausgleichen: gleiche TCL schließt AVRT nicht aus. FALLSTRICKE • Keine allgemeine starre ms-Grenze; VA, AH und TCL zusammen beurteilen. • Sequenzwechsel oder weitere Leitungsänderungen verhindern einen einfachen Seitenbeweis. Coumel P, Attuel P. Eur J Cardiol 1974;1:423–436 · Motoyoshi T et al. HeartRhythm Case Rep 2024 (paradoxes Coumel-Phänomen).
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Katheter / Kanäle
Links: AVRT über eine linksfreie Bahn, VA 100 + AH 250 + HV 50 = TCL 400 ms. Mitte: Ipsilateraler LSB verlängert VA auf 160 ms; bei gleichem AH und HV steigt die TCL auf 460 ms. Rechts: VA +60 ms, aber AH −60 ms — trotz LSB bleibt die TCL 400 ms.Coumel P, Attuel P. Eur J Cardiol 1974;1:423–436 · Motoyoshi et al. HeartRhythm Case Rep 2024.

Vorgehen: Schmalen QRS und funktionellen Schenkelblock während derselben SVT vergleichen. Die atriale Sequenz muss gleich bleiben; VA, AH, HV und TCL werden gemeinsam verfolgt. VA misst vom frühesten QRS-Beginn zum selben frühen atrialen Signal.

BefundEinordnung
VA und TCL verlängern sich bei ipsilateralem Blockstützt orthodrome AVRT über eine freie Wandbahn auf dieser Seite
VA verlängert, TCL unverändertAH-Kompensation möglich — kein Ausschluss einer AVRT
Sequenzwechsel oder weitere Leitungsänderungenkein einfacher Seitenbeweis

Die Falle liegt in der Summe. Die TCL ist VA + AH + HV. Eine gleichzeitige AH-Verkürzung kann die VA-Verlängerung vollständig ausgleichen — im rechten Panel genau 60 ms gegen 60 ms. Wer nur auf die TCL schaut, übersieht das Coumel-Zeichen.

Eine allgemeine starre Millisekunden-Grenze gibt es nicht.

Der Präexzitationsindex

Das zweite Kriterium fragt, wie früh eine ventrikuläre Extrasystole kommen muss, damit sie das nachfolgende A erstmals vorzieht. Je näher die retrograde Route elektrisch am Stimulationsort liegt, desto später darf die VES sein.

Präexzitationsindex: historischer Zusatz Wie viel früher muss die RV-VES kommen, damit sie erstmals das nachfolgende A vorzieht? EP-LABOR / 27 / ERGÄNZENDE KLASSISCHE KRITERIEN Präexzitationsindex: historischer Zusatz Wie viel früher muss die RV-VES kommen, damit sie erstmals das nachfolgende A vorzieht? nativ stimuliert / getrieben kritisch / zugeordnet erwartet, ausgefallen / Block Signalbeginn · alle Zeiten in ms V1–V2 360 ms: A noch pünktlich Stim S2 A A A pünktlich A His H H H QRS V1 Fusions-QRS V ms 0 300 600 900 TCL = 400 ms V1–V2 = 360 ms TCL 400 ms, V1–V2 360 ms: A bleibt bei 480 ms und wird nicht vorgezogen. Dieser einzelne Schritt liefert noch keinen PI. V1–V2 350 ms: erstmals A vorgezogen Stim S2 A A A früh A His H H H QRS V1 Fusions-QRS V ms 0 300 600 900 längstes V1–V2 = 350 ms PI = 50 ms Bei V1–V2 350 ms wird das A erstmals vorgezogen: 480 → 470 ms. Längste wirksame Kopplung 350 ms, daher PI = 400 − 350 = 50 ms. DURCHFÜHRUNG • Bei stabiler SVT RV-VES mit schrittweise kürzerem V1–V2 abgeben; für V1/V2 denselben Messbezug verwenden. • Die längste Kopplung suchen, die A reproduzierbar vorzieht. MESSUNG • PI = TCL − längstes V1–V2 mit A-Vorziehen. • Ohne A-Vorziehen ist PI nicht bestimmbar. PI ist nicht PPI−TCL. BEDEUTUNG • Kleiner PI: Schon eine relativ späte VES zieht A vor; das spricht für eine elektrisch nahe retrograde Route. • Historischer Zusatz; Werte von Bahnlagen und AVNRT können überlappen. FALLSTRICKE • A-Vorziehen allein beweist weder AVRT noch His-Refraktärität. • Nicht irgendeine erfolgreiche VES auswählen: das längste wirksame V1–V2 im Scan ermitteln. Miles WM et al. Circulation 1986;74:493–500.
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Katheter / Kanäle
Links: TCL 400 ms, V1–V2 360 ms — das A bleibt bei 480 ms. Rechts: Bei V1–V2 350 ms wird das A erstmals vorgezogen, von 480 auf 470 ms. Längste wirksame Kopplung 350 ms, daher PI = 400 − 350 = 50 ms.Miles WM et al. Circulation 1986;74:493–500.

PI = TCL − längstes V1–V2, das A reproduzierbar vorzieht

Vorgehen: Bei stabiler SVT RV-VES mit schrittweise kürzerem V1–V2 abgeben, für V1 und V2 denselben Messbezug verwenden, und die längste Kopplung suchen, die A reproduzierbar vorzieht. Ohne A-Vorziehen ist der PI nicht bestimmbar.

Abgrenzungen:

  • PI ist nicht PPI−TCL. Die beiden Größen messen Verschiedenes und sind nicht ineinander umrechenbar.
  • A-Vorziehen allein beweist weder AVRT noch His-Refraktärität. Für den Nachweis einer akzessorischen Bahn ist die His-refraktäre VES das stärkere und sauber definierte Manöver.
  • Nicht irgendeine erfolgreiche VES auswählen — gesucht ist das längste wirksame V1–V2 im Scan.

Einordnung: Ein kleiner PI spricht dafür, dass schon eine relativ späte VES den Vorhof erreicht, also für eine elektrisch nahe retrograde Route. Es handelt sich um einen historischen Zusatz; Werte verschiedener Bahnlagen und einer AVNRT können überlappen.

Mini-Quiz

1 / 3

Während derselben SVT tritt ein linksseitiger Schenkelblock auf. VA steigt von 100 auf 160 ms, AH und HV bleiben gleich. Was passiert mit der TCL und was folgt daraus?

Take-aways

  • Coumel-Zeichen - ein funktioneller Schenkelblock auf der Seite der Bahn verlängert VA und damit die TCL. Das stützt eine orthodrome AVRT über eine freie Wandbahn.
  • Eine gleichzeitige AH-Verkürzung kann die VA-Verlängerung vollständig ausgleichen - gleiche TCL schließt eine AVRT dann nicht aus. VA, AH, HV und TCL gemeinsam beurteilen.
  • Es gibt keine allgemeine starre ms-Grenze für das Coumel-Zeichen.
  • PI = TCL − längstes V1–V2, das A reproduzierbar vorzieht. Ohne A-Vorziehen ist der PI nicht bestimmbar.
  • PI ist nicht PPI−TCL. Kleiner PI spricht für eine elektrisch nahe retrograde Route; Werte von Bahnlagen und AVNRT überlappen.

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