Reset und Terminierung durch die His-refraktäre VES, der letzte VOP-Schlag und was A- oder V-Dissoziation ausschließt.
14 Min. Lesezeit
Lernziele
Ich kann eine His-refraktäre VES korrekt platzieren und ihre Refraktärität belegen.
Ich kann die drei möglichen Antworten auf eine His-refraktäre VES unterscheiden und interpretieren.
Ich kann aus dem letzten VOP-Schlag ableiten, was eine Terminierung mit oder ohne atriale Erregung ausschließt.
Ich kann A- und V-Dissoziation während einer Tachykardie auswerten und benennen, was sie jeweils ausschließen.
Drei Manöver aus derselben Familie: Sie alle nutzen einen einzelnen Schlag oder ein
einzelnes Ereignis, um zu prüfen, ob eine Kammer obligater Bestandteil des Kreises
ist. Der Unterschied liegt darin, was genau als Nachweis zählt.
Die His-refraktäre VES
Eine ventrikuläre Extrasystole wird so platziert, dass das His-Bündel bereits aktiviert
und damit der normale antegrade Weg refraktär ist. Erreicht die VES den Vorhof dennoch,
muss sie einen anderen Weg genommen haben.
Refraktärität sichern lässt sich auf zwei Arten: über das H-Timing (das H liegt
bereits vor dem Stimulus) oder über QRS-Fusion auf der Oberfläche.
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TCL 400 ms, S→V hier 5 ms. Links: A und die folgenden H/V kommen 20 ms früher, A–A 380 ms. Mitte: A–A wird 420 ms, auch die folgenden H/V sind 20 ms später — retrogrades Dekrement überwiegt die VES-Vorzeitigkeit. Rechts: A–A bleibt 400 ms, H/V unverändert.Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:757–769, Teil 2, S. 757–760, Abb. 1–2 · Nagashima et al. 2024.
Antwort
Bedeutung
A früher
akzessorische Bahn nachgewiesen, AVRT stark favorisiert
A später, mit Reset
dekrementale Bahn wahrscheinlich
keine Änderung
schließt eine Bahn nicht aus
Entscheidend: ΔA muss die spontane TCL-Variabilität übersteigen, und der Reset muss
durch die Änderung der folgenden H/V bestätigt werden. Sonst misst man Schwankung.
Fallstricke: Eine Bystander-AV-Bahn kann A vorziehen, ohne am Kreis beteiligt zu
sein — A-Capture allein beweist keine Kreisbeteiligung. Eine AVNRT mit
nodoventrikulärer oder nodofaszikulärer Bahn kann ebenfalls resetten. Und der RV-Apex
erreicht eine entfernt gelegene Bahn möglicherweise zu spät.
Terminierung durch die His-refraktäre VES
Noch stärker als der Reset ist die Terminierung: Die VES stoppt den Kreis, obwohl
der normale His-Zugang refraktär ist, und der erwartete Vorhofschlag bleibt aus.
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Die VES trifft nach dem H ein, erfasst den Ventrikel und terminiert vor dem erwarteten A. Die Oberflächenfusion stützt die zeitliche Einordnung. Erwartetes A–A wäre 400 ms gewesen.Veenhuyzen et al. PACE 2011;34, Abb. 11 · Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:758–760 · Nagashima et al. J Arrhythm 2024;40:131–142.
Das ist klassisch ein sehr starker AVRT-Hinweis: Es belegt einen akzessorischen
Zugang zum Kreis. Die dokumentierte Ausnahme ist eine AVNRT mit nodoventrikulärer
oder nodofaszikulärer Bystander-Verbindung — dieselbe terminale Antwort ohne
gewöhnliche AVRT. Und: Ein akzessorischer Zugang ist kein Beweis einer obligaten
atrioventrikulären Bahn.
Was der letzte VOP-Schlag sagt
Terminiert ein ventrikuläres Overdrive-Pacing, lohnt der Blick auf genau einen Schlag:
Hat der terminierende Stimulus den Vorhof noch erreicht?
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Links: später V-Stimulus mit retrogradem H, aber ohne folgendes A — AT ausgeschlossen; die His-Refraktärität ist hier nicht belegt. Mitte: Das letzte A wird noch erregt, danach fehlen Rückkehr-H und -V. Rechts: H/V fallen aus, A–A bleibt 400 ms — der atriale Takt ist nicht beendet.Veenhuyzen et al. PACE 2011;34:780–782, Abb. 11–12 · Knight et al. JACC 2000 · Maruyama et al. JACC Clin Electrophysiol 2017.
Beobachtung
Schlussfolgerung
Terminierung ohne atriale Erregung
AT ausgeschlossen; AVNRT und AVRT bleiben möglich
Terminierung nach noch erregtem A
trennt AVNRT, AVRT und AT nicht sicher
H/V fallen aus, A läuft weiter
der atriale Takt ist nicht beendet — AV-Block allein beweist keine AT
Dieses Kriterium ist schwächer als die His-refraktäre VES, weil die Refraktärität des
terminierenden Stimulus meist nicht belegt ist. Und: Kein echter Rückkehrschlag bedeutet
kein PPI — die Messgrößen aus
SA−VA, PPI−TCL, cPPI, ΔHA
entfallen.
Tachykardie trotz Dissoziation
Läuft eine Kammer unabhängig weiter, während die Tachykardie fortbesteht, ist diese
Kammer kein obligater Bestandteil des Kreises.
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Links: Ventrikel bei 300 ms, A/H bei 400 ms — der Ventrikel ist kein obligater Bestandteil. Rechts: Vorhof bei 300 ms, H/V bei 400 ms — der Vorhof ist kein obligater Kreisbestandteil.Veenhuyzen et al. PACE 2011;34:770–772 und 780–782 · Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:765–767, Abb. 8.
Dissoziation
Ausgeschlossen
Bleibt möglich
V unabhängig
gewöhnliche AVRT
AT, AVNRT
A unabhängig
AT und gewöhnliche AVRT
AVNRT, junktionale Tachykardie
Nachweispflicht: Bloße lokale RV- oder HRA-Capture genügt nicht. Gefordert ist eine
echte Dissoziation der relevanten Kammeraktivierung — A, H und V getrennt verfolgen,
mehrere A-Ableitungen prüfen. Nodoventrikuläre und nodofaszikuläre Kreise sind gesondert
zu betrachten.
Mini-Quiz
1 / 4
Bei TCL 400 ms trifft eine VES 30 ms nach dem His ein, erfasst den Ventrikel und das folgende A kommt 20 ms früher als erwartet; auch die nachfolgenden H und V sind 20 ms vorgezogen. Was folgt daraus?
Take-aways
Die His-refraktäre VES ist das stärkste Einzelkriterium für eine akzessorische Bahn - aber nur, wenn die His-Refraktärität belegt ist.
A früher - akzessorische Bahn nachgewiesen. A später mit Reset - dekrementale Bahn wahrscheinlich. Keine Antwort schließt eine Bahn nicht aus.
Terminierung durch eine His-refraktäre VES ohne atriale Erregung ist ein klassisch sehr starker AVRT-Hinweis; dokumentierte Ausnahme ist die AVNRT mit nodoventrikulärer oder nodofaszikulärer Bystander-Verbindung.
Terminiert ein VOP-Schlag ohne A, ist eine atriale Tachykardie ausgeschlossen. Terminierung nach einem A trennt AVNRT, AVRT und AT dagegen nicht sicher.
V-Dissoziation schließt eine gewöhnliche AVRT aus, A-Dissoziation zusätzlich die AT. Bloße lokale Capture genügt als Nachweis nicht.
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