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Signale, CS-Sequenz & Messpunkte

CS-Anordnung und atriale Aktivierungssequenz, VA/AH/HV — welches Signal ist Start, welches Ende.

12 Min. Lesezeit

Lernziele

  • Ich kann die Standard-Katheterlage einer diagnostischen EP-Untersuchung benennen und sagen, welches Signal jeder Kanal zeigt.
  • Ich kann aus der Bildschirmanordnung der CS-Bipole die atriale Aktivierungssequenz ablesen, ohne mich von der Kanalreihenfolge täuschen zu lassen.
  • Ich kann VA, AH und HV mit definiertem Start- und Endsignal messen und globales, lokales und His-bezogenes VA auseinanderhalten.
  • Ich kann begründen, warum eine kurze oder exzentrische VA-Zeit allein noch keinen SVT-Mechanismus beweist.

Eine diagnostische EP-Untersuchung beginnt nicht mit einem Manöver, sondern mit einer Festlegung: welcher Kanal zeigt welches Signal, und wo genau beginnt die Messklammer. Fast alle späteren Fehlinterpretationen — ein vermeintlich langes PPI, ein „exzentrisches" A, ein Pseudo-V–A–A–V — sind in Wahrheit Zuordnungsfehler auf dieser Ebene.

Die vier Standardkanäle

KatheterPositionZeigtTypische Rolle im Manöver
HRAhoher rechter Vorhof, nahe SinusknotenAatriale Stimulation, atriale Referenz, AOP
Hisseptal, über dem TrikuspidalanulusA, H, VAH/HV-Zeiten, retrogrades H, Refraktäritätsnachweis
CS (5 Bipole)Coronarsinus, distal → proximalA, Vlinksatriale Aktivierungssequenz, VA-Referenz
RV-Apexrechtsventrikulärer ApexVventrikuläre Stimulation, Entrainment, PPI-Messort

Der CS-Katheter trägt fünf Bipole. CS 1–2 liegt distal (lateral, nahe der linken freien Wand), CS 9–10 proximal (ostiumnah, septal). Dazwischen liegen CS 3–4, CS 5–6 und CS 7–8.

„Unten" heißt nicht „später"

Der häufigste Anfängerfehler im CS-Fenster: Die Bildschirmreihenfolge wird mit der Aktivierungsreihenfolge verwechselt. Ob CS 1–2 oben oder unten steht, ist eine Darstellungsentscheidung. Die Aktivierungsreihenfolge steht ausschließlich in der horizontalen Achse.

CS-Kanäle umordnen – die Zeit bleibt gleich Unten bedeutet nicht später: Entscheidend ist allein die horizontale Lage des A-Beginns. EP-LABOR / CS / AKTIVIERUNGSSEQUENZ CS-Kanäle umordnen – die Zeit bleibt gleich Unten bedeutet nicht später: Entscheidend ist allein die horizontale Lage des A-Beginns. nativ stimuliert / getrieben kritisch / zugeordnet erwartet, ausgefallen / Block Signalbeginn · alle Zeiten in ms Proximales CS-A zuerst Proximodistale Sequenz: CS 9–10 → CS 1–2 CS 1–2 distal A: +40 ms CS 3–4 A: +30 ms CS 5–6 A: +20 ms CS 7–8 A: +10 ms CS 9–10 proximal A: +0 ms ms 0 10 20 30 40 50 60 Zeit ab dem ersten CS-A (ms) Am frühesten = am weitesten links. Hier: CS 9–10 – gleich, in welcher Zeile es steht. Distales CS-A zuerst Distoproximale Sequenz: CS 1–2 → CS 9–10 CS 1–2 distal A: +0 ms CS 3–4 A: +10 ms CS 5–6 A: +20 ms CS 7–8 A: +30 ms CS 9–10 proximal A: +40 ms ms 0 10 20 30 40 50 60 Zeit ab dem ersten CS-A (ms) Am frühesten = am weitesten links. Hier: CS 1–2 – gleich, in welcher Zeile es steht. BILDSCHIRMREIHENFOLGE • Die fünf Bipole werden vertikal angeordnet. • Beim Umordnen muss jedes Signal mit seinem Kanal verschoben werden. ZEITREFERENZ • Das früheste A innerhalb des CS liegt hier bei 0 ms. • Die 10-ms-Abstände sind didaktisch gewählt, keine Normwerte. INTERPRETATION • Proximal früh passt zu proximaler oder septaler Aktivierung. • Distal früh kann zu einer linksseitigen Bahn passen; es beweist sie nicht. GRENZE DES CS • Der CS zeigt nur die abgeleiteten Orte. • Auch atypische AVNRT kann exzentrisch aktivieren. • HRA und His bleiben getrennte Referenzen. Sequenzinterpretation nach Hwang et al. JACC 1997;30:218–225, DOI 10.1016/S0735-1097(97)00114-9. Signalzeiten sind eigene Lehrbeispiele.
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CS-Orientierung
Katheter / Kanäle
Dieselbe Kanalanordnung, zwei Sequenzen. Links: CS 9–10 ist das früheste A — proximodistal. Rechts: CS 1–2 ist das früheste A — distoproximal. Die 10-ms-Abstände sind didaktisch gewählt und keine Normwerte.Didaktisches Zahlenbeispiel, keine Patientenableitung. Sequenzinterpretation nach Hwang et al. JACC 1997;30:218–225.

Beim Umordnen der Kanäle muss jedes Signal mit seinem Kanal wandern. Ein proximal zuerst eintreffendes A liegt in der CS-9–10-Zeile weiter links als die distalen A-Signale — in jeder Anordnung. Probieren Sie es unter der Abbildung über „Darstellung anpassen" aus: Legen Sie CS 1–2 nach oben oder nach unten — die Zeilen tauschen ihre Plätze, die A-Signale bleiben exakt an derselben horizontalen Position.

Was die Sequenz sagt und was nicht. Proximal früh passt zu einer proximalen oder septalen Aktivierung. Distal früh kann zu einer linksseitigen Bahn passen; es beweist sie nicht. Auch eine atypische AVNRT kann exzentrisch aktivieren. Der CS zeigt zudem nur die abgeleiteten Orte — HRA und His bleiben getrennte Referenzen.

VA, AH, HV — Start und Ende festlegen

Alle Zeiten werden am Signalbeginn gemessen, nie am Zackenmaximum. Die drei Basisintervalle:

IntervallStartEnde
AHA-Beginn am His-KanalH-Beginn
HVH-Beginnfrühester QRS-Beginn in den Oberflächenableitungen
VA(His)QRS-BeginnA am His-Kanal
VA, AH, HV: die richtigen Messpunkte Welches Signal ist Start, welches Ende des Intervalls? EP-LABOR / 01 / GRUNDLAGEN VA, AH, HV: die richtigen Messpunkte Welches Signal ist Start, welches Ende des Intervalls? nativ stimuliert / getrieben kritisch / zugeordnet erwartet, ausgefallen / Block Signalbeginn · alle Zeiten in ms VA(His) bei kurzer VA-Zeit His H A His QRS QRS V lokal V lokal ms -100 0 100 200 300 400 VA(His) = 40 ms HV = 50 ms QRS 0 → A His 40 ms: VA(His) 40 ms. Das lokale V folgt erst bei 20 ms; HV beträgt 50 ms. Globales und lokales VA QRS QRS V Bipol X V A CS frühestes A A HRA A HRA A Bipol X A am V-Bipol ms 0 50 100 150 200 250 Globales VA = 110 ms VA zur HRA = 130 ms Lokales VA = 125 ms Drei Definitionen, drei Zahlen: globales VA 110 ms, QRS→HRA-A 130 ms, echtes lokales VA am Bipol X 125 ms. Die Referenzen sind nicht austauschbar. DURCHFÜHRUNG • Messdefinition und Kanal festlegen; Signalbeginn markieren. • Oberflächen-QRS und lokales V sind verschiedene Referenzen. MESSUNG • VA(His): QRS → A His. Global: QRS → frühestes A aller Kanäle. • Lokal: V → A am selben Bipol, hier Bipol X. BEDEUTUNG • VA(His) ≤ 60 ms passt zur typischen AVNRT. • Kurzes oder exzentrisches VA allein beweist keinen SVT-Mechanismus. FALLSTRICKE • SA−VA benötigt denselben atrialen Kanal und Fiduzialpunkt. • Signalbeginn messen, keine beliebigen Zackenmaxima. Veenhuyzen et al. PACE 2011;34:767–782, Tabelle I · ESC-Leitlinie SVT 2019 · globale VA-Definition nach Nagashima et al. 2016.
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Katheter / Kanäle
Links: QRS bei 0 ms, A am His bei 40 ms — VA(His) 40 ms; das lokale V folgt erst bei 20 ms, HV beträgt 50 ms. Rechts: dieselbe Tachykardie, drei Definitionen — globales VA 110 ms, QRS→HRA-A 130 ms, echtes lokales VA am Bipol X 125 ms.Messdefinitionen nach Veenhuyzen et al. PACE 2011;34:767–782, Tabelle I; globale VA-Definition nach Nagashima et al. 2016.

Globales, lokales und His-bezogenes VA

Drei Definitionen, drei Zahlen:

  • VA(His) — QRS-Beginn → A am His-Kanal. Das ist die Größe, auf die sich die klassische Orientierung „VA(His) ≤ 60 ms passt zur typischen AVNRT" bezieht.
  • Globales VA — QRS-Beginn → frühestes A aller abgeleiteten Kanäle.
  • Lokales VA — V → A am selben Bipol. Nur hier sind Start und Ende am identischen Ort registriert.

Diese Referenzen sind nicht austauschbar. Für jede Differenzbildung — allen voran SA−VA (siehe SA−VA, PPI−TCL, cPPI, ΔHA & differenzielles Entrainment) — muss dieselbe atriale Ableitung und derselbe Fiduzialpunkt in beiden Klammern stehen.

Fallstricke auf dieser Ebene

FallstrickWarum er passiertGegenmittel
Zackenmaximum statt Signalbeginn gemessenoptisch bequemer, besonders bei fraktionierten EGMsMesskonvention vorab festlegen und dokumentieren
Kanal zwischen zwei Messungen gewechseltdas „schönste" A wird gewähltKanal für die gesamte Messreihe fixieren
CS-Zeile mit Aktivierungszeitpunkt verwechselteine weiter unten stehende Zeile wirkt „später"nur die horizontale Lage auswerten
Kurze VA-Zeit als AVNRT-Beweis gewertetVA(His) ≤ 60 ms ist eingängigkurze oder exzentrische VA ist ein Hinweis, kein Beweis
Oberflächen-QRS und lokales V gleichgesetztbeide heißen umgangssprachlich „V"beide Referenzen getrennt benennen

Mini-Quiz

1 / 3

Im CS-Fenster liegt CS 1–2 oben, CS 9–10 unten. Das A in der untersten Zeile beginnt am weitesten links. Was heißt das?

Take-aways

  • Die vier Standardkatheter sind HRA, His-Bündel, Coronarsinus (CS) und RV-Apex. Der CS liefert die linksatriale Aktivierungssequenz, der His die AV-nodale Zeitachse.
  • CS 1–2 ist distal, CS 9–10 proximal. Welche Zeile oben steht, ist Bildschirmkosmetik — entscheidend ist allein die horizontale Lage des A-Beginns.
  • VA(His) = QRS-Beginn → A am His. Globales VA = QRS-Beginn → frühestes A aller Kanäle. Lokales VA = V → A am selben Bipol. Drei verschiedene Zahlen, nicht austauschbar.
  • VA(His) ≤ 60 ms passt zur typischen AVNRT, beweist sie aber nicht. Jede Messung beginnt am Signalbeginn, nicht am Zackenmaximum.
  • SA−VA ist nur gültig, wenn beide Klammern am selben atrialen Kanal und am selben Fiduzialpunkt enden.

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