Programmierte Stimulation: Sprung, ERP, Wenckebach, VA
AH-Sprung und Echo, AVNERP versus atriale Refraktärität, Wenckebach-Punkt, retrograde VA-Sequenz und Dekrement.
15 Min. Lesezeit
Lernziele
Ich kann einen AH-Sprung definieren, im Protokoll erkennen und von einem einzelnen Echo abgrenzen.
Ich kann AVNERP und atriale Refraktärität auseinanderhalten und sagen, wann die AVNERP gar nicht bestimmbar ist.
Ich kann den AV-nodalen Wenckebach-Punkt bestimmen und einen distalen 2:1-Block davon abgrenzen.
Ich kann eine retrograde VA-Sequenz als konzentrisch oder exzentrisch beschreiben und Dekrement durch Frequenzvergleich nachweisen.
Die programmierte Stimulation ist das Basisprotokoll jeder diagnostischen EP-Untersuchung.
Sie beschreibt vier Eigenschaften des Leitungssystems: antegrade Leitung bei zunehmender
Vorzeitigkeit, antegrade Leitung bei zunehmender Frequenz, die Refraktärzeiten und die
retrograde Leitung. Keines dieser Ergebnisse ist für sich eine Diagnose.
Atriale Extrastimulation: AH-Sprung und Echo
Nach einer atrialen Grundserie (S1) wird ein Extrastimulus S2 schrittweise früher
abgegeben. Gemessen werden A1–A2 (zwischen den atrialen Signalen, nicht zwischen
den Stimuli) und AH vom A2-Beginn zum H2-Beginn.
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Gilt für alle EP-Abbildungen und wird in diesem Browser gespeichert. Nur Zeilenreihenfolge, Sichtbarkeit und Farbe ändern sich – alle Signalzeiten bleiben identisch.
Links: A1–A2 310 ms, AH 120 ms. Mitte: A1–A2 nur 10 ms kürzer (300 ms), AH steigt auf 180 ms — ΔAH +60 ms erfüllt das Sprungkriterium. Rechts: separater Versuch mit AH 250 ms, danach H2, V2 und ein retrogrades A-Echo; eine anhaltende SVT folgt hier nicht.Kriterien nach Heidbüchel & Jackman, Europace 2004;6:316–329; kontinuierliche AV-Knoten-Kurven: Tai et al. Circulation 1997;95:2541–2547.
Sprungkriterium: AH-Zunahme ≥ 50 ms bei um 10 ms kürzerem A1–A2.
Was der Sprung bedeutet — und was nicht:
Er stützt duale AV-nodale Physiologie (schnelle und langsame Leitungsbahn).
Ein fehlender Sprung schließt eine AVNRT nicht aus — kontinuierliche
AV-Knoten-Kurven sind beschrieben.
Ein Sprung allein beweist den Mechanismus der klinischen Tachykardie nicht.
Ein einzelnes Echo ist eine zurückkehrende Erregung, keine Tachykardie. Erst
fortlaufende Antworten ergeben eine SVT.
Capture-Latenz beachten. S1–S2 und A1–A2 sind nicht dasselbe. Zwischen Stimulus
und atrialem Signal liegen Capture-Latenz und atriale Leitungszeit. Gemessen wird
immer A1–A2.
AVNERP versus atriale Refraktärität
Dasselbe Protokoll, andere Frage: Blockiert S2 bereits im Vorhof oder erst zwischen A
und His?
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Grundzyklus 600 ms. Links: A1–A2 300 ms — A2, H2 und V2 vorhanden. Mitte: A1–A2 290 ms — A2 erfasst, H2 fehlt; AVNERP = 290 ms, sofern längere Kopplungen leiten. Rechts: S1–S2 220 ms ohne A2 trotz gesicherter Stimulation — atriale Refraktärität.Definitionen nach ACC/AHA/HRS Key Data Elements for Electrophysiological Studies, JACC 2006; funktioneller 2:1-Block: Young ML, PACE 1990;13:1666–1673.
Größe
Definition
AVNERP
längstes A1–A2 mit erfasstem A2, das nicht über den AV-Knoten zu H2 leitet
AERP
längstes S1–S2 ohne atriale Capture bei definierter Stimulationsstärke
Lokalisation über die Signalfolge:
A2 ohne H2 → Block proximal des registrierten His — hier AV-nodal.
H2 ohne V2 → Block distal des His.
S2 ohne A2 → der AV-Knoten wurde gar nicht getestet.
Fallstricke: Ein fehlendes A2 bei schlechtem Kontakt oder zu geringer Stimulationsstärke
ist kein gesicherter Refraktärpunkt. Und wird die AERP zuerst erreicht, ist die
AVNERP mit diesem Protokoll nicht exakt bestimmbar.
Inkrementelle atriale Stimulation: Wenckebach
Hier wird nicht die Vorzeitigkeit, sondern die Frequenz gesteigert: Die atriale
Stimulationszykluslänge wird schrittweise verkürzt, bis die 1:1-Überleitung verloren geht.
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Links: PCL 400 ms, jedes A erreicht H und V, AH 110 ms. Mitte: PCL 340 ms — AH 120 → 170 → 200 ms, dann ein A ohne H; nach dem Ausfall wieder AH 120 ms. Rechts: Gegenbeispiel — jedes A erzeugt ein H, aber nur jedes zweite H einen QRS: distaler 2:1-Block.Definitionen nach ACC/AHA/HRS Key Data Elements, JACC 2006; Subformen der AVNRT: Heidbüchel & Jackman, Europace 2004;6:316–329.
AV-nodale Wenckebach-Zykluslänge = längste PCL, bei der unter schrittweiser
Verkürzung eine nodale Wenckebach-Periodik auftritt: AH wird von Schlag zu Schlag
länger, dann folgt ein A ohne H, und nach dem Ausfall ist AH wieder kürzer.
Der Wenckebach-Punkt beschreibt die Frequenzabhängigkeit der antegraden Leitung. Er sagt
nichts über den Mechanismus einer induzierten SVT. Autonomer Zustand, Medikamente und
eine laufende SVT verändern den Messwert.
Retrograde VA-Sequenz und Dekrement
Jetzt wird vom Ventrikel aus stimuliert — bei verschiedenen konstanten Zykluslängen,
damit Dekrement überhaupt sichtbar werden kann. Registriert werden A am His, A im
proximalen und A im distalen CS.
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Links: PCL 600 ms, A am His zuerst, dann proximales und distales CS — konzentrisch, VA 140 ms. Mitte: PCL 400 ms, gleiche Reihenfolge, VA jetzt 200 ms — die Leitung zeigt Dekrement. Rechts: distales CS-A am frühesten (80 ms) — exzentrische Sequenz.Veenhuyzen et al. PACE 2012;35:757–769; Heidbüchel & Jackman, Europace 2004;6:316–329.
Befund
Passt zu
Beweist nicht
konzentrisch mit Dekrement
AV-nodaler Leitung
Ausschluss einer Bahn — septale Bahnen können konzentrisch sein
exzentrisch, distales CS-A zuerst
linksseitigem Eintritt über eine Bahn
eine obligate Bahn im SVT-Kreis; auch atypische AVNRT kann exzentrisch aktivieren
konzentrisch ohne Dekrement
septaler Bahn oder schneller nodaler Leitung
Mechanismus der klinischen Tachykardie
Damit der Frequenzvergleich gültig ist, müssen Stimulationsort und Capture konstant
bleiben. Ein Capture-Wechsel oder eine atriale Fusion macht den Vergleich wertlos. Ob
eine exzentrische Route dekremental leitet, erfordert einen eigenen Frequenzvergleich —
es ergibt sich nicht aus der Sequenz.
Mini-Quiz
1 / 3
Bei A1–A2 = 310 ms beträgt AH 120 ms. Bei A1–A2 = 300 ms beträgt AH 180 ms. Wie wird dieser Befund bezeichnet und was folgt daraus?
Take-aways
AH-Sprung = AH-Zunahme ≥ 50 ms bei Verkürzung von A1–A2 um 10 ms. Er stützt duale AV-nodale Physiologie — mehr nicht.
Ein einzelnes Echo ist eine zurückkehrende Erregung. Erst fortlaufende Antworten ergeben eine SVT.
AVNERP = längstes A1–A2 mit erfasstem A2, das nicht zu H2 leitet. Wird die atriale Refraktärität zuerst erreicht, ist die AVNERP nicht exakt bestimmbar.
A2 ohne H2 = Block proximal des registrierten His. H2 ohne V2 = Block distal des His. Ein fehlender QRS allein lokalisiert nichts.
Konzentrische retrograde Aktivierung mit Dekrement passt zu AV-nodaler Leitung; ein frühes distales CS-A spricht für linksseitigen Eintritt, beweist aber keine obligate Bahn im Kreis.
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